Carl Theodor Kautter, Chemiker und Ingenieur

Der Anlagenbauer

Röhm

* 1899, Heimsheim/Württemberg

† 1982, Darmstadt

Carl Theodor Kautter begann noch während des Ersten Weltkrieges ein Studium der Chemie an der TH Stuttgart, das er 1922 mit der Promotion zum Dr. Ing. abschließen konnte. Es folgte eine Zeit als Assistent von Professor Gutbier an der Universität Jena. 1924 zog es ihn für mehrere Jahre ins Ausland, wo er unter anderem in der chilenischen Salpeterindustrie und in Mexiko bei der Firma Gildemeister im Apparatebau beschäftigt war. Von besonderer Bedeutung waren die Erfahrungen, die er ab 1929 in der Petrochemie bei der Erstellung von Anlagen zur Gewinnung von Wasserstoff aus Erdgas in den USA machte.

1934 begegnete Carl Theodor Kautter in New York dem Chemieunternehmer Dr. Otto Röhm, der auf der Suche nach einem Technologie erfahrenen Chemiker war, um die wirtschaftliche Synthese von Methacrylaten zu entwickeln. Überzeugt von Kautters Fähigkeiten holte Otto Röhm ihn nach Darmstadt und stellte ihn 1935 als Betriebsleiter ein. In enger Zusammenarbeit modernisierten und rationalisierten Kautter und Röhm die Herstellung der Ausgangsprodukte für das zukunftsträchtige PLEXIGLAS®.

Carl Theodor Kautter verbesserte auch das Polymerisationsverfahren und war maßgeblich verantwortlich für verbesserte chemisch-technologische Verfahren, nach denen das Werk in Darmstadt erweitert und neue Anlagen in Mittenwalde bei Berlin und in Worms errichtet wurden.

Nach dem Tod Otto Röhms 1939 wurde Kautter zunächst stellvertretender, dann ordentlicher Geschäftsführer von Röhm & Haas. Zu seinen großen Leistungen zählen der Wiederaufbau der zerstörten Werke Darmstadt und Worms – heute wichtige Standorte von Evonik Industries – sowie der Bau der ersten großtechnischen Anlage zur Herstellung von Blausäure nach dem Andrussow-Verfahren. Als er 1965 in den Ruhestand ging, hatte er die Entwicklung des Unternehmens maßgeblich beeinflusst. 

Carl Theodor Kautter, seit 1955 Ehrendoktor der TH Darmstadt, trat als Erfinder und Miterfinder in zahlreichen Patenten auf und hatte sich durch viele Veröffentlichungen und als Mitglied mehrerer nationaler und internationaler Institutionen einen Namen gemacht. Für seine Leistungen wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.