Weißblechentzinnung

Eines der ersten Recycling-Verfahren

Goldschmidt

Weißblech ist ein vergleichsweise junges Material, das erst im 19. Jahrhundert eine größere Verbreitung fand. Gewöhnliches (Schwarz-)Blech wurde mit einem Zinnüberzug veredelt und somit widerstandsfähig gegen Korrosion oder Säuren gemacht. Das bekannteste Beispiel war die Konservendose aus Weißblech, die die Lebensmittelversorgung der wachsenden Großstädte revolutionierte. Da Zinn in den USA und Europa ein rares und kostbares Metall und zudem ein unerwünschter Begleitstoff beim Siemens-Martin-Stahlherstellungsverfahren (das auf dem Einschmelzen von Blechabfällen beruhte) war, versprach die Trennung von Weißblechabfällen in die Ausgangsmetalle ein lohnendes Geschäft zu werden.

Das hatte auch der junge Karl Goldschmidt erkannt, der, soeben Direktor der Chemischen Fabrik Th. Goldschmidt geworden, 1882 mit entsprechenden Versuchen begann. Teilweise gemeinsam mit dem Chemiker Josef Weber entwickelte Karl Goldschmidt in den folgenden Jahrzehnten mehrere bahnbrechende, weltweit führende Verfahren zur Entzinnung von Weißblech, zunächst auf elektrolytische Weise, dann ab 1905 mittels Chlor und schließlich ab 1911 auch durch Alkalilauge. Alle heute noch weltweit verwendeten Entzinnungsverfahren basieren letztlich auf diesen Entwicklungen.

Goldschmidt verwandelte sich durch den Welterfolg der Entzinnung nachhaltig, wurde ein Großunternehmen, schließlich 1911 Aktiengesellschaft und richtete sich durch die Notwendigkeit einer weltweiten Einkaufsorganisation für Weißblech erstmals international aus.

In den darauffolgenden Jahrzehnten blieb die Entzinnung stets das Herzstück der Th. Goldschmidt AG, allerdings mit sinkendem Ertrag, da die Dicke des Zinnüberzugs immer weiter zurückging bei steigenden Energie- und Personalkosten. Spätestens seit 1974 war die Essener Weißblechentzinnung ein Zuschussgeschäft und die endgültige Stilllegung 1990 die unausweichliche Konsequenz.