2000 - 2009

Auf dem Weg zu Evonik Industries

2000

Im Januar gründete die Degussa-Hüls AG eine neue Tochtergesellschaft, in der sie ihre vormaligen Geschäftsbereiche Edelmetall, Autoabgaskatalysatoren sowie die Cerdec AG zusammenfasste. Diese neue Degussa Metals Catalysts Cerdec AG, kurz dmc, hatte ihren Sitz in Hanau-Wolfgang. Im August übernahm die Norddeutsche Affinerie, Hamburg, von der dmc das seit 1973 in Wolfgang ansässige Gold- und Silberscheidegeschäft und verlagerte dessen Schwerpunkt nach Hamburg. Außerdem führte die Degussa-Hüls AG ihre Dental-Aktivitäten in der neuen Tochtergesellschaft Degussa Dental GmbH & Co. KG zusammen.

Die Goldschmidt AG gründete zusammen mit der Ratec GmbH ein Joint Venture mit dem Namen Gorapur, um ihre Aktivitäten bei Trennmitteln für Formschäume zu verstärken. Firmensitz ist Wittenburg in Mecklenburg, wo eine hochmoderne Produktionsanlage steht.

Die Mehrheitseignerin der Degussa-Hüls AG, die VEBA AG, Düsseldorf, fusionierte mit der VIAG AG, München, zum neuen Unternehmen E.On AG mit Sitz in Düsseldorf. Mit dieser Fusion wurden die Chemiegesellschaften beider Firmen - Degussa-Hüls AG (VEBA) und SKW Trostberg AG (VIAG) - zu einem Unternehmen zusammengeführt.

2001

Mit der Fusion der Degussa-Hüls AG und der SKW Trostberg AG zur neuen Degussa AG entstand zu Beginn des Jahres der drittgrößte Chemiekonzern in Deutschland und die Nummer Eins in der Spezialchemie weltweit. Unternehmenssitz wurde Düsseldorf. Nach der Fusion und der Fokussierung auf die Spezialchemie arbeiteten rund 48.000 Beschäftigte weltweit für den Konzern.

In den darauffolgenden vier Jahren gab das neue Unternehmen alle Sparten ab, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Darunter waren die Asta Medica AG und die im damaligen Standort und heutigen Industriepark Wolfgang (IPW) ansässige dmc². Die neuen Eigentümer der dmc², die Umicore AG und die Ferro GmbH, blieben im Industriepark. Ebenfalls im IPW blieb die im Oktober 2001 an die amerikanische Dentsply verkaufte Degussa Dental GmbH & Co.KG. Weiterhin waren von dem Desinvestitionsprogramm die TFL Ledertechnik GmbH & Co.KG und die ursprünglich zur Hüls AG gehörende Phenolchemie GmbH betroffen. Es folgten noch die Degussa Bank GmbH sowie die Methanova GmbH und die Polymer Latex GmbH & Co.KG.

2002

Am 1. Januar erfolgte die Gründung der Industriepark Wolfgang GmbH als professioneller Dienstleister für die am Standort ansässigen elf Hochtechnologie-Unternehmen. Die Industriepark Wolfgang GmbH ist heute eine Tochtergesellschaft der Evonik Industries AG.

Mit der SolarWorld AG, Bonn, ging die Degussa AG ein Joint Venture ein zur Gewinnung und Vermarktung von polykristallinem Silizium (PCS) aus Silan. Dieses Solarsilizium ist ein Rohstoff für die Fotovoltaik-Industrie, die über mehrere Schritte Solarmodule zur Energiegewinnung herstellt.

An den Standorten Antwerpen und Marl wurden neue Anlagen zur Herstellung von Isononanol (INA) in Betrieb genommen und damit die Kapazität von 140.000 Tonnen auf 340.000 Tonnen pro Jahr erhöht. Isononanol ist ein Weichmacheralkohol auf Basis von Crack-C4.

Die Degussa AG übernahm 70 Prozent des größten chinesischen Herstellers von Persulfat, Shanghai AJ Reagents Co. Ltd., Shanghai. Die neue Gesellschaft mit 120 Mitarbeitern und einem erwarteten Jahresumsatz von 10 Millionen Euro erhielt den Namen Degussa-AJ (Shanghai) Initiators Co. Ltd. Mit dieser Übernahme stieg die Degussa zum weltweit größten Hersteller von Persulfaten auf.

2003

Im Januar entstand die CyPlus GmbH als Ausgründung des ehemaligen Produktbereichs Bergbauchemikalien der Degussa AG. Cyplus, tätig im Cyanidgeschäft, beliefert Kunden in den Branchen Bergbau, chemisch-pharmazeutische Industrie und Oberflächenbehandlung.

Einen Monat später erwarb die RAG AG, Essen, 46,48 Prozent der Degussa-Anteile von der E.On AG und erhöhte diesen Anteil bis Mitte 2004 auf 50,1 Prozent. Damit wurde sie zum neuen Mehrheitsaktionär der Degussa AG. Im Zuge des Wandels der RAG vom Kohle- zum Industriekonzern übernahm das Essener Unternehmen bis Mai 2006 alle Anteile an der Degussa AG.

Das neue Projekthaus Functional Polymers@Interfaces and Surfaces ging im Industriepark Wolfgang in Betrieb. 20 Wissenschaftler erkunden hier das Gebiet der funktionalen Polymere. Das sind Kunststoffe, die nicht allein auf die klassische Anwendung als Konstruktionswerkstoff ausgerichtet sind, sondern die aufgrund spezieller Eigenschaften zusätzliche Funktionen übernehmen.

In Bejing wurde die neue Degussa (China) Holding als Dachgesellschaft des Konzerns in China eröffnet. Degussa stellt in China seit 1988 Spezialchemieprodukte her und verfügt dort über 15 Unternehmen mit Produktionsstandorten in Beijing, Gaungzhou, Nanning, Qingdao Shanghai und Hongkong.

Im November erfolgte am Standort Antwerpen der erste Spatenstich für die Bauarbeiten der neuen, weltweit größten Methionin-Anlage mit einer Kapazität von 120.000 Jahrestonnen. Die Anlage wurde im Oktober 2006 offiziell in Betrieb genommen.

2004

Die Degussa AG eröffnete in Shanghai ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Darüber hinaus schloss sie einen Kooperationsvertrag mit dem chinesischen Unternehmen Changchun Jida High Performance Materials Co. Ltd. (Jida New Materials), Changchun, ab, um mit ihm gemeinsam Hochtemperaturpolymeren zu entwickeln.

Im Mai erwarb die Degussa AG sämtliche Aktien der Agroferm Hungarian-Japanese Fermentation Industry Ltd. (Agroferm) zum Vertrieb der Aminosäure Tryptophan.

Eine neue Polyether-Anlage mit einer jährlichen Kapazität von 14.000 Tonnen ging am Standort Hopewell (Virginia, USA) in Betrieb. Damit stärkte die Degussa AG ihre Aktivitäten auf mehreren Geschäftsgebieten, wie Polyurethan-Additive, Farben und Farbzusätze sowie Pflegeprodukte.

In Marl legte die Degussa den Grundstein für ein neues Zukunftszentrum. In dem Science to Business genannten Center Nanotronics entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit Hochschulen und industriellen Kooperationspartnern innovative Systemlösungen für Elektronikanwendungen.

In Russland begann die Produktion extrudierter PLEXIGLAS® Massivplatten (PMMA). Betreiber der Anlage ist die Firma Destek in Podolsk, ein Gemeinschaftsunternehmen der Röhm GmbH & Co. KG, der Unichem-Gruppe und der Firma ZAO Orgsteklo JSC, Moskau.

2005

Mit der nordchinesischen Jilin Universität startete die Degussa AG die JIDA Degussa High Performance Polymers Changchun Co. Ltd. (JIDA Degussa), ein Joint Venture zur Produktion von Polyetheretherketon (PEEK) sowie Polyethersulfon (PES).

2006

Mit einer großen Feier wurde in Taichung (Taiwan) der erste Spatenstich für eine Produktionsanlage von Polymethylmethacrylat (PMMA) Formmassen der Degussa Forhouse Optical Polymers Corporation vollzogen. Die Formmassen werden vor allem für Anwendungen in TFT-LCD-Flachbildschirmen verwendet.

Die Degussa AG und Fujian Nanping Xinyuan Investment Co., Ltd. (Wellink) in Nanping, Provinz Fujian (China) gründeten das Joint Venture Degussa Wellink Silica (Nanping) Co. Ltd. (DWS). Es produziert und vermarktet gefällte Kieselsäuren und Silikate.

In Marl wurde der erste Spatenstich für ein neues Forschungszentrum vollzogen. Das neue Science-to-Business-Center Bio ermöglicht im Bereich "Weiße Biotechnologie", auch industrielle Biotechnologie genannt, gemeinsame Forschung und Entwicklung von Industrie und Wissenschaft.

Das Gemeinschaftsunternehmen Degussa Lynchem Co. Ltd. in Dalian, Provinz Liaoning (China) der Degussa AG und der Lynchem Co. Ltd. ging an den Start. Das neue Unternehmen dient der Herstellung von aktiven Pharmawirkstoffen und anderen Spezialchemikalien.

Im Zuge ihrer Übernahme durch den RAG-Konzern verkaufte die Degussa AG bis Juli ihre Bauchemie-Aktivitäten an die BASF Aktiengesellschaft. Das ebenfalls in Trostberg ansässige NCN-Geschäft der Degussa, das sind Chemikalien für Pflanzenschutz, Wachstumsregulierung, Pharmawirkstoffe oder Ernährung, wurde in einer eigenen Tochtergesellschaft, der Alzchem Trostberg GmbH, gebündelt. Etwa 1.500 Mitarbeiter gehören an den Standorten Trostberg, Schalchen, Hart und Waldkraiburg zur neuen Firmengruppe.

Am 14. September wurde die RAG-Beteiligungs-AG gegründet. Diese umfasste die Degussa AG, der STEAG AG und der RAG Immobilien AG.

2007

Auf Beschluss der Hauptversammlung Ende 2006 wurde die Rechtsform der Degussa AG zum 2. Januar geändert. Ab diesem Datum war das Unternehmen als GmbH Teil der RAG Beteiligungs-AG. Im Juli wurde die RAG Stiftung gegründet. Sie hat die Aufgabe, die Entwicklung der RAG Beteiligungs-AG, bestehend aus den Bereichen Chemie, Energie und Immobilien, zu sichern.

Die Degussa GmbH und die PV Silicon Forschungs- und Produktions-AG, Erfurt, unterzeichneten einen Vertrag zur Lieferung von Chlorsilanen. PV Silicon baut im Chemiepark Bitterfeld eine Produktionsanlage für Photovoltaik-Silizium, das zur Herstellung polykristalliner Wafer für Solarzellen genutzt wird. Die Degussa GmbH liefert aus ihrer Bitterfelder Anlage die neue Produktionsstätte mit Chlorsilanen beliefern. Diese Chlorsilanen werden unter dem Namen Siridion vermarktet.

Im August wurde der neue Produktionsstandort Degussa Lanxing (Rizhao) Chemical Industrial Co. Ltd. in der Provinz Shandong (China) feierlich eingeweiht. Das neue Silanwerk liefert das dritte Produkt, nach Carbon Black und Kieselsäure, als Rohstoff für die Reifenindustrie.

Im Standort Herne wurde der vierte Produktionsstrang zur Isophoron-Herstellung eingeweiht. In der Isophoron-Chemie werden u.a. Produkte für die Herstellung von Autolacken und Fußböden oder zum Korrosionsschutz produziert.

Am 12. September wurde aus der RAG Beteiligungs-AG die Evonik Industries AG mit Sitz in Essen. Die Degussa bildet das Geschäftsfeld Chemie des neuen kreativen Industriekonzerns.

Kurz danach feierte Evonik Industries im Shanghai Chemical Industry Park (SCIP) die Grundsteinlegung für eine neue Verbund-Produktionsanlage zur Herstellung von Methylmethacrylaten (MMA) und Methacrylat-Spezialitäten. Im November 2009 startete die neue Anlage zur Herstellung von z. B. Plexiglas® für hochmoderne LED-Flachbildschirme, aber auch umweltfreundlichen Lack und diverse Kunststoffteile.

2008

Im März übernahm Evonik Industries von chinesischen Anteilseignern die übrigen 49 Prozent an dem bisherigen Joint Venture Evonik Degussa Lynchem Co. Ltd, in Dalian, China. Die Anteile werden über die Evonik Degussa China Co. Ltd. gehalten. Das Unternehmen dient der Herstellung von aktiven Pharmawirkstoffen und anderen Spezialchemikalien.

Evonik Industries führte im April weltweit eine neue Aerosil®-Produktlinie ein, die eine noch höhere Transparenz der Endprodukte schafft. Zum Einsatz kommen Aerosil® 200 SP und Aerosil® 300 SP u.a. in Siliconartikeln für die Medizintechnik, Elektroindustrie, bei Sportzubehör und im Lebensmittelsektor wie z.B. in Saugern aus Siliconkautschuk.

Eine neue Folie mit höchster Reinheit, höchster optischer Güte, die absolut glatt und hochglänzend ist, wurde im Juni in den Markt eingeführt. Diese hochreine Folie, Plexiglas® Superclear OF022, wird z.B. im Displaybereich eingesetzt, wofür sie auch kratzfest beschichtet wird.

Im Rahmen einer strategischen Zusammenarbeit mit Microsoft startete Evonik Industries mit der Lieferung der Projektionsfläche für Microsoft Surface. Dieses erste Computer-Oberflächendisplay, bietet Nutzern eine mühelose Interaktion mit digitalen Inhalten durch Berühren, Gesten oder durch Ablegen von Objekten auf der Tischoberfläche. Die Projektionshardware ist aus mehreren optischen Funktionsschichten auf der Basis von Plexiglas® aufgebaut.

Auf Jurong Island, Singapur nahm die Evonik Rohmax Asia Pacific Pte. Ltd. eine Produktionsanlage für Öladditive in Betrieb. In der Anlage werden seither Hochleistungs-Schmierstoffadditive unter dem Namen Viscoplex® hergestellt.

Im Werk Rheinfelden weihten Evonik Industries und die SolarWorld AG ihre neue Solarsiliziumanlage ein. Im Rahmen des gemeinsamen Joint Ventures Joint Solar Silicon (JSSI) wandten die beiden Unternehmen erstmals ein neuartiges Verfahren an, bei dem eine Energieeinsparung von bis zu 90 Prozent gegenüber herkömmlicher Solarsiliziumproduktion möglich ist.

Der britische Finanzinvestor Capital Partners (CVC) erwarb von der RAG-Stiftung 25,01 Prozent der Anteile an der Evonik Industries AG.

2009

Im April weihte Evonik Industries im Werk Mobile im US-Bundesstaat Alabama eine neue Anlage zur Herstellung von Natriummethylat ein. Dieses Produkt ist ein gebrauchsfertiger Katalysator für die Produktion von Biodiesel aus nativen Ölen wie Raps- und Sojaöl.

Nach einem anspruchsvollen Auditierungsverfahren erhielt die Evonik Industries AG das Konzernzertifikat „berufundfamilie“ der gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Damit wurde gewürdigt, dass sich der Konzern seit Jahren aktiv um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kümmerte. Das Angebot für Evonik-Mitarbeiter umfasst Kinderbetreuung, Kinderferienprogramme, flexible Arbeitszeitmodelle, betriebliche Sozialberatung sowie die Unterstützung bei der Pflege von hilfsbedürftigen Angehörigen.

Der Evonik Standort Steinau an der Straße weihte im Juli das neue Logistikzentrum ein. Der Bau umfasste ein Bürogebäude, einen Wareneingangs- und -ausgangsbereich sowie ein angrenzendes Lager.

Im Oktober übernahm Evonik Industries in Lafayette/Indiana den Standort Tippecanoe von Eli Lilly, einem der großen Pharmaunternehmen in den USA. Der Konzern verstärkte damit seine Leistungen im Bereich Exklusivsynthese.

Evonik führt ein neues Produkt, TEGO® Pep 4-17, in den Markt ein. Dabei handelt es sich um ein bioaktives und reines Tetrapeptid mit Anti-Aging-Eigenschaften für Formulierungen von Hautpflegeprodukten.

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