Wolfgang

Degussa

Industriepark Wolfgang

Zukunftsgewinn durch Forschung

Der Industriepark Wolfgang, in einem Stadtteil von Hanau im Rhein-Main-Gebiet gelegen, ist ein bedeutendes Zentrum für Forschung und Entwicklung von Evonik Industries. In dem Hochtechnologie-Park werden wichtige Weichen auf dem Weg in zukunftsweisende Märkte gestellt. Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Wolfgang konzentrieren sich heute auf drei Schwerpunkte: die Biotechnologie, die Spezialchemie und die Materialwissenschaften. 

Pulver für Preußen – ein Standort entsteht

Die Ursprünge des Industriegeländes in Wolfgang reichen bis in das Jahr 1871 zurück, als der preußische Staat die Königlich-Preußische Pulverfabrik Hanau gründete, die 1876/77 ihren Betrieb aufnahm. Die Fabrik musste in den Jahren 1918/19 als Folge des verlorenen Ersten Weltkrieges geschleift werden. Aus den spärlichen Resten der Betriebsanlagen ging schließlich eine Kunstlederfabrikation hervor, die Deutsche Kunstleder-Werke GmbH. Die Degussa AG, die bis dahin Lösungsmittel für dieses Unternehmen geliefert und darüber hinaus selbst Kunstleder, Kappen- und Klebstoffe für die Schuhindustrie in einem Werk in Mölkau bei Leipzig produziert hatte, übernahm 1933 das Unternehmen in Wolfgang. Während des Zweiten Weltkrieges blieben die Herstellungsanlagen, im Gegensatz zu den Laboratorien, weitgehend von Zerstörungen verschont, so dass die Produktion nahezu ungebrochen weiterlaufen konnte. Dennoch geriet die Kunstlederherstellung in der Zeit nach der Währungsreform 1948 unter starken Druck, da die Fabrikation überaltert war und die Umstellung auf das modernere PVC-Kunstleder nur schleppend voran ging. Nach einer vorübergehenden Phase der Konsolidierung wurde die Kunstlederproduktion der Degussa in Wolfgang 1975 schließlich ganz eingestellt.

Das Forschungszentrum Wolfgang

Eine wichtige Weichenstellung für den Standort markierte das Jahr 1957, als der Degussa-Vorstand beschloss, die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten des damaligen Konzerns in Hanau-Wolfgang zusammenzufassen. Zwei Jahre später begann der entsprechende Ausbau vor Ort. Es war die Geburtstunde des Forschungszentrums Wolfgang, das nach vielfältigen Wandlungen auch heute noch wichtige Forschungsprojekte des Geschäftsfeldes Chemie von Evonik Industries bündelt. In schneller Folge entstanden in den 1960er und 70er Jahren eine ganze Reihe von Laboratorien und Werkstätten verschiedener Unternehmensbereiche. Trotz einer dezentralen Neuausrichtung der Forschung im Degussa-Konzern 1992 sind wesentliche Dienstleistungen in diesem Bereich bis heute in Wolfgang verblieben. Dabei wird inzwischen auch interdisziplinär und über Grenzen der Unternehmensbereiche hinweg geforscht, beispielsweise in den Projekthäusern ProFerm und Polymere sowie der 2003 neu gegründeten Unternehmenseinheit Advanced Nanomaterials, in die die Degussa bis dato rund 25 Millionen Euro investiert hat. Diese Projekte werden von der Creavis GmbH, einer Evonik-Tochtergesellschaft, betrieben.

Die Nukleargruppe in Wolfgang

Dass die Standortgeschichte auch von äußeren Entwicklungen mitbestimmt wurde, zeigt eine politische Entscheidung aus dem Jahr 1955, die es der Bundesrepublik Deutschland erlaubte, auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung von Kernenergie tätig zu werden. Als Folge gründete die Degussa in Wolfgang eine Nukleargruppe, deren Aufgabe es war, Brennstoffe und Brennelemente für Kernreaktoren zu entwickeln und zu fertigen. 1960 folgte gemeinsam mit ausländischen Partnern die Gründung der Nuklear-Chemie und -Metallurgie GmbH, kurz Nukem, an der die Degussa mit 45 Prozent beteiligt war. 1977 betrug die Degussa-Beteiligung nur noch 35 Prozent. Nach dem Atommüllskandal 1987 beauftragte das Bundesumweltministerium das Unternehmen mit der Neuordnung und Neuausrichtung der Nukem. Im Rahmen dieser Neuordnung verkaufte die Degussa ihre 35 Prozent Beteiligung an das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk (RWE) und zog sich damit 1990 endgültig aus dem Atomgeschäft zurück.

Traditionsbetriebe mit neuer Heimat

Nachdem bereits 1970 der Bereich Forschung und Fertigungstechnik Metall nach Wolfgang verlagert worden war, wurde 1975 auch die Verlegung der Edelmetallscheidung aus dem damaligen Degussa-Stammsitz in Frankfurt dorthin abgeschlossen. Diese Verlagerung mündete schließlich in die Zusammenfassung aller inländischen Anlagen zur Edelmetallgewinnung auf dem Industriegelände in Wolfgang. Dazu gehörten die gesamte Edelmetallgewinnung aus Recyclingstoffen, die Edelmetallraffination und die Herstellung von Edelmetallprodukten. Am Standort Wolfgang entstand damit das größte Werk dieser Art in Europa. Im Zuge der Neuausrichtung der Degussa als Spezialchemieunternehmen verkaufte der Konzern bis 2001 die gesamte Traditionssparte Edelmetall an die OM-Group, Cleveland, USA. Das Gold- und Silbergeschäft inklusive einiger Aggregate wurde vorher von der dmc2, einer hundertprozentigen Degussa-Tochter, an die Norddeutsche Affinerie verkauft. Heute gehören die Edelmetallaktivitäten der Umicore AG.

1994 zog der traditionsreiche Geschäftsbereich Dental der Degussa von Frankfurt in ein neu errichtetes Gebäude nach Wolfgang um. Seitdem werden dort zahntechnische Produkte entwickelt und hergestellt. Im Zuge der Fusion von Degussa AG und Hüls AG zur Degussa-Hüls AG im Jahr 2000 gliederte der Konzern die Dental-Aktivitäten in die hundertprozentige Tochtergesellschaft Degussa Dental GmbH & Co. KG aus. Der Sitz des weltweit tätigen Unternehmens ist bis heute in Hanau-Wolfgang geblieben. Im Rahmen der Fokussierung der Degussa auf die Spezialchemie hat das Unternehmen seine Dental-Tochter inzwischen an den US-Konzern Dentsply International Inc. verkauft, die in Hanau seit Frühjahr 2003 als DeguDent GmbH firmiert.

Die Entwicklung des Standorts spiegelt sich nicht nur im Wechsel von Forschungs- und Produktportfolio wider, sondern auch im Wandel seiner strukturellen Organisation. So arbeitete mit der Industriepark Wolfgang GmbH seit Anfang 2002 eine eigenständige Servicegesellschaft für die ansässigen Unternehmen. Diese hundertprozentige Tochter wurde zum 1. Juli 2013 von der Evonik Industries AG als Betreiber des Industrieparks abgelöst. Der Geschäftsbereich Site Services von Evonik bündelt seitdem die Infrastrukturdienstleistungen am Standort. Rund 700 Mitarbeiter der Site Services erbringen im Industriepark Dienstleistungen in der Ver- und Entsorgung, der Logistik, den Technischen Services und dem Standortmanagement. Dazu zählen unter anderem auch die Bereiche Analytik, Umweltschutz, Arbeitssicherheit und Gesundheit sowie das Facility Management.

Im Industriepark Wolfgang arbeiten heute insgesamt rund 5.300 Menschen, davon etwa 300 Auszubildende. Ca. 3.300 Mitarbeiter sind allein für Evonik Industries tätig, von denen 1.300 im Bereich Forschung und Entwicklung arbeiten.

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