Hans Stockhausen, Industrieller und Chemiker

Der Textilfärber

Stockhausen

* 1879, Krefeld

† 1951, Krefeld

Schon sehr früh war klar, dass Hans Stockhausen einmal der Nachfolger seines Vaters Dr. Julius Stockhausen in der von diesem gegründeten Crefelder Seifenfabrik Stockhausen & Traiser werden würde – allerdings zu früh, um das gerade eben begonnene Studium der Chemie an der Universität in Freiburg weiterführen zu können. Hans Stockhausen wurde Ende des 19. Jahrhunderts im väterlichen Betrieb gebraucht; er sollte sich der Entwicklung neuer Produkte widmen, um so die Firma weiter voranzubringen.

Seinerzeit war Seife ein in der Textilindustrie viel genutztes Mittel, um Rohstoffe zu reinigen und um Textilien einfärben oder weiterverarbeiten zu können. Julius Stockhausen entwickelte für diesen Zweck ein spezielles Öl auf der Basis von Türkischrotöl, das er verbesserte, indem er sulfoniertes Rizinusöl einem zusätzlichen Sulfonierungs-Prozess unterzog. Mit den daraus resultierenden Produkten, die Julius Stockhausen „Monopolseife“ und „Monopolbrillantöl“ nannte, war ihm ein besonderer Durchbruch gelungen. Noch Jahrzehnte später wurden diese beiden Welterfolge als „erste echte Textilhilfsmittel“ gewürdigt.

Hans Stockhausen führte die Entwicklung von Monopolseife und -brillantöl, die zunächst nur im Laborversuch erfolgreich waren, so weit fort, dass eine Großproduktion möglich wurde und die Anwendungsmöglichkeiten erweitert wurden. Außerdem gelang ihm ihre Durchsetzung in der Praxis. Die Monopolseife war von besonderem Interesse für die Seidenindustrie, deren Zentrum - damals wie heute - Krefeld war und ist.

Der Erfolg dieser Produkte auf dem Markt erforderte im Jahr 1907 eine Betriebsausweitung, den Bau des heute noch bestehenden Evonik-Werks am Krefelder Bäkerpfad, das am 1. Dezember 1912 als Chemische Fabrik Stockhausen & Cie. rechtlich verselbständigt wurde. Die Komplementäre dieses Unternehmens waren die Söhne von Dr. Julius Stockhausen, insbesondere Hans Stockhausen.

Über Jahrzehnte war er der bestimmende Mann dieses Unternehmens, das unter seiner Leitung weitere wichtige Textil- und Lederhilfsmittel entwickelte, darunter Fettlöserseifen wie „Tetrapol“ und „Verapol“ sowie das erste in Säure und Alkalien beständige Netzmittel „Praestabit“. Er bahnte auch den so genannten Bayer-Vertrag von 1907 an, der erst im Jahr 1991 auslief. Dieser zog eine enge Kooperation mit dem Chemiekonzern aus Leverkusen nach sich. Stockhausen übertrug dabei den Export seiner gesamten Produktpalette an Bayer, das im Gegenzug keine inländische Konkurrenz machte und noch eigenes Know-how zur Verfügung stellte.

Darüber hinaus gab Hans Stockhausen zu Beginn der 1930er Jahre den Anstoß für die Entwicklung von Hautschutzmitteln, von denen ein erstes, PRAECUTAN, 1934 auf den Markt kam und innerhalb weniger Jahre ein außerordentlicher Erfolg wurde. Damit war der Grundstein des Arbeitsgebietes STOKO Skin Care gelegt worden, heute ein Arbeitsgebiet von Evonik Industries. Nach seinem Tod hinterließ Hans Stockhausen ein erfolgreiches Unternehmen, das sich in der Folge über die Textilindustrie hinaus neuen Aktivitäten zuwenden sollte.