1970-1979

Neue Werke, neue Märkte

1970

Nach nur 18 Monaten Bauzeit liefen im April im neuen Werk Antwerpen der Degussa die ersten Fabrikationsanlagen an. Seither wuchs der Standort kontinuierlich. Heute betreibt Evonik Industries dort elf Produktionsanlagen, darunter die weltgrößte Anlage für die essentielle Aminosäure Methionin.

Mit der Th. Goldschmidt Products Corp., White Plains, New York, nahm die erste Vertriebsgesellschaft der Th. Goldschmidt AG in Übersee nach 1945 ihre Geschäftstätigkeit auf. 1980 folgte in Hopewell/Virginia der Aufbau einer eigenen Produktion in den USA.

Die BASF AG, Ludwigshafen, erwarb den Anteil der amerikanischen Gesellschafter der Röhm & Haas GmbH, Darmstadt. Dieser Anteil hatte vormals dem Mitbegründer Otto Haas und dessen Familie gehört. Der 1960 verstorbene Haas hatte bereits 1909 in Philadelphia/USA eine Filiale des Darmstädter Unternehmens eröffnet, die ab 1917 als Rohm & Haas Company selbständig tätig war.

1971

Die Th. Goldschmidt AG baute auf dem Ostgelände ihres Essener Werkes einen neuen Betrieb für Silicon-Emulsionen (SiEm-Betrieb). Außerdem wurden die Herstellungsanlagen für organomodifizierte Siloxane vergrößert. Auch nach 40 Jahren ist der SiEm-Betrieb ein wichtiger Bestandteil des heutigen Werks Essen/Goldschmidtstraße von Evonik Industries.

1972

Im neuen Metallwerk Wolfgang der Degussa auf dem Gelände des heutigen Industrieparks Wolfgang liefen die ersten Teilproduktionen an. Schrittweise wurden dort alle inländischen Anlagen zur Edelmetallgewinnung zusammengefasst. Das Metallwerk, damals das größte seiner Art in Europa, wurde im August 2000 an die Norddeutsche Affinerie, Hamburg, verkauft.

Die Röhm GmbH lieferte 80.000 m PLEXIGLAS Platten für die Überdachung des Olympiastadions und weiterer Spielstätten der Olympischen Sommerspiele in München, während die Th. Goldschmidt AG mit großen Mengen Bautenschutzstoffen daran beteiligt war. Das charakteristische Zeltdach ist bis heute ein Wahrzeichen der bayerischen Landeshauptstadt. Im gleichen Jahr kaufte Röhm ein großes Firmengelände in Worms, das an das bereits bestehende Areal des Unternehmens grenzte. Auf dem neuen Gelände wurde die Produktion von PLEXIGLAS Formmassen aufgebaut. Sie war zuvor am Stammsitz der Firma in Darmstadt betrieben worden.

1973

Die Degussa begann am Golf von Mexiko in Mobile/Alabama in den USA mit dem Bau eines neuen großen Chemiewerkes. Dazu gründete der Konzern seine US-amerikanische Tochtergesellschaft, die Degussa Alabama Inc.

Im Werk Essen der Th. Goldschmidt AG ging der erste von heute vier Polyether-Betrieben in Betrieb. In Verbindung mit einer weiteren Ausbaustufe des OS-Betriebs (für organomodifizierte Siloxane), der bereits 1977 die nächste folgte, baute Goldschmidt die Anlagen der Silicon-Chemie im heutigen Werk Essen/Goldschmidtstraße von Evonik Industries weiter aus. 

1974

Mit der Gründung der Degussa China Ltd., Hongkong, für die Märkte Hongkong, China und Macau baute die Degussa ihre Aktivitäten in Fernost weiter aus.

1976

Die Chemische Werke Hüls AG nahm in Marl die Produktion von MTBE (Methyl-tertiärer-butylether) auf, der ein Basisprodukt zur Herstellung von bleifreiem Benzin ist. Heute wird das Produkt unter dem Namen DRIVERON von der OXENO Olefinchemie GmbH produziert und vertrieben, unter Beteiligung der Evonik Industries AG.

Nachdem die ehemalige Zweigniederlassung der Röhm GmbH in den USA nach dem Ersten Weltkrieg verloren gegangen war, gelang es dem Unternehmen über ein Joint Venture mit der American Cynamide Company in den Vereinigten Staaten wieder Fuß zu fassen. Die so entstandene CYRO Industries produziert heute Monomere, Polymere, Formmassen und Halbzeuge.

1978

Als Folge der wachsenden Nachfrage nach Stabilisatoren für PU-Schäume in Südamerika nahm die Th. Goldschmidt AG in Guarulhos bei Sao Paulo, Brasilien, eine eigene Produktion auf. In den 1970er Jahren wurde Guarulhos auch ein Standort für Chemie- und Metallproduktionen der Degussa. Diese Standorte legten die Grundlage der heute noch überwiegend im Großraum Sao Paulo befindlichen brasilianischen Aktivitäten von Evonik Industries.

1979

Die Düsseldorfer VEBA AG steigerte ihren Anteil an der Chemische Werke Hüls AG auf 87,4 Prozent. Die Hüls AG wurde in der Folge als Chemie-Sektor in die VEBA integriert. 1985 übernahm VEBA auch die übrigen Aktien der Hüls, die freie Aktionäre gehalten hatten.

In der Frankfurter Innenstadt, am Stammsitz der Degussa, wurde die alte Scheideanstalt, im Volksmund noch „die Münz“ genannt, abgerissen. An gleicher Stelle entstand in den Folgejahren ein neuer Verwaltungsbau. Mit dem Abriss der alten Scheideanstalt endete die Zeit der Industrieproduktion der vormaligen Degussa an ihrem Ursprung und alten Stammsitz in Frankfurt. 2010 wurde der Standort in der Frankfurter Innenstadt aufgegeben.

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