Erich Bäder, Chemiker

Der Begründer der Degussa Polymerchemie


Erich Bäder gilt als Gründungsvater der Polymerchemie von Evonik Industries


Degussa

* 1922, Schorndorf

† 2004, Hanau

Geboren 1922 in Schorndorf, studierte er nach dem Zweiten Weltkrieg in Stuttgart Chemie und promovierte 1951 bei Prof. Hellmut Bredereck am dortigen Institut für organische Chemie und organisch-chemische Technologie über „Abkömmlinge aromatischer Sulfinsäuren und ihre Verwendung als Polymerisationsstartmittel.“ Bereits während seiner Promotion hatte er sich mit der Entwicklung neuer schnellhärtender Zahnfüllmassen auf Methylmethacrylat-Basis für die Degussa Beteiligungsfirma Kulzer & Co. befasst. Das Ergebnis dieser Forschungsarbeiten war der Dental-Kunststoff PALAVIT F.

Am 1. September 1952 trat Bäder in die Forschungsgruppe Chemie der damaligen Zweigniederlassung Wolfgang der Deutschen Gold- und Silber-Scheideanstalt ein. Dort beschäftigte er sich mit der Weiterentwicklung von Katalysatoren und deren Anwendung auf verschiedenen Polymergebieten. Bei der Degussa verfügte man zu dieser Zeit zwar mit Acetoncyanhydrin und Formaldehyd über eigene Vorprodukte der Polymerchemie, besaß aber auf dem Gebiet selbst keinerlei Erfahrung. Dies sollte sich mit der Forschungsarbeit Bäders ändern. Nachdem er 1959 von der Forschung in die Kunststoffverarbeitung wechselte, wurde er 1962 mit der Leitung des Bereichs Forschung Chemie Polymer betraut. In dieser Position betreute Bäder die Forschung & Entwicklung der Degussa zu Polymethylmethacrylat, Polyformaldehyd, Polyacrolein und Lactampolymerisation.

Von dem Erfolg mit PALAVIT F® angeregt, beschäftigte sich Bäder in der Folge mit der Entwicklung neuer Spachtelmassen und Klebstoffe auf der Basis ungesättigter Polyesterharze. Vor allem die Metallklebstoffe wurden unter dem Handelsnamen AGOMET® ein großer wirtschaftlicher Erfolg. Daneben leitete Bäder auch die Entwicklungsarbeiten auf den Gebieten der Reaktivharz-Gießmassen sowie der Polymerisation von Acrylsäure- und Methacrylsäureestern, an deren Ende die Acrylglase PARAGLAS®, DEWOGLAS® und DEGLAS® standen, ein. Ebenso entscheidend beteiligt war er an der Entwicklung der Polymethylmethacryl-Formmassen, die unter dem Namen DEGALAN® in den Markt eingeführt wurden. DEGLAS® wird bis heute als Zweitmarke des PLEXIGLAS® Herstellers Röhm, Darmstadt - Teil der heutigen Degussa - hergestellt.

Seinen größten Forschungserfolg feierte Bäder mit der Entwicklung von Polyoxymethylen-Kunststoffen, die unter dem Namen ULTRAFORM® 1969 Marktreife erlangten. Währenddessen fungierte Erich Bäder auch als Geschäftsführer der hierzu von der Degussa und der BASF AG gegründeten Ultraform GmbH. Fünf Jahre später kehrte er zur Degussa zurück und übernahm bis zu seinem Ausscheiden 1981 die Leitung des Geschäftsbereiches Verkohlung.

Erich Bäder war der erste und wichtigste Polymerchemiker der vormaligen Degussa. Auf ihn gehen viele erfolgreiche Kunststofftechnologien im Unternehmen zurück. Insbesondere zeichnete er sich durch sein Gespür für die Anforderungen der Praxis und durch einen ausgeprägten Erfolgswillen aus. Hinzu kamen Bäders außergewöhnliches Engagement und seine Begabung im Bereich der Anwendungstechnik.

Dr. Erich Bäder verstarb am 15. Februar 2004 in Hanau.