Leimfilm

Flugzeugteile und Furniere

Goldschmidt

Der Leimfilm der Th. Goldschmidt AG war ohne Zweifel ein Überraschungserfolg. Nachdem er 1929 zum Patent angemeldet worden war, avancierte er in wenigen Jahren zum wichtigsten Produkt des Unternehmens.

Erstes Know-how in der Leimproduktion hatte die Th. Goldschmidt AG durch ihre Beteiligung an der Elektrochemischen Fabrik Kempen gesammelt, die Lederleime herstellte. Die Produktion dieser Leime war jedoch problematisch. Basis der bisher für vielerlei Zwecke verwendeten Nassleime waren pflanzliche und tierische Eiweißstoffe – etwa Kasein – und damit ausgesprochen verderbliche Substanzen. Zudem war das Anrühren der Leime vor der Verwendung ein mühseliger und fehlerbehafteter Prozess.

Da insbesondere die Holzverarbeitende Industrie ähnliche Probleme hatte, forcierte Dr. Josef Weber, Vorstandsmitglied der Goldschmidt AG und seit 1892 als Chemiker im Unternehmen, die Suche nach einem Trockenleim für die Herstellung von Schicht- oder Sperrholz. Ergebnis der dreijährigen Forschungsarbeiten war der Tego-Leimfilm, der als Tego-Gluefilm auch im Ausland erfolgreich vertrieben wurde. Er bestand aus Phenolharzen und Natronzellstoffpapier als Filmträger und wurde in dünnen Schichten zwischen das Holz gelegt. Unter hohem Druck und Wärme verbanden sich Leimfilm und Holz in perfekter Art und Weise. Die Goldschmidt AG betraute Dr. Wilhelm Luethy mit dem Vertrieb des neuen Produktes - eine schwierige Aufgabe, denn die potenziellen Kunden mussten vor der Verwendung des Tego-Leimfilms in spezielle Pressen investieren.

Die Vorteile des neuen Verfahrens lagen jedoch auf der Hand und wurden unter dem Vorzeichen des nationalsozialistischen Vierjahresplans noch evidenter.

Der Leimfilm wurde aus einheimischen Rohstoffen hergestellt. Dies reduzierte den Import von Kasein. Als ausgesprochener Exportschlager war der neuartige Leim darüber hinaus ein Devisenbeschaffer für das Deutsche Reich. Zudem war seine Haltbarkeit nahezu unbegrenzt und die Leimung von gleich bleibender Qualität.

Dementsprechend weitete sich das Leimfilm-Geschäft ab 1936 rapide aus. Da der Leimfilm insbesondere für die Flugzeugproduktion unverzichtbar war, wurde die Th. Goldschmidt AG als kriegswichtiges Unternehmen eingestuft. Die produzierte Menge stieg von 1937 bis 1943, um beachtliche 327%.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg spielte der Leimfilm, den die Th. Goldschmidt AG weiterhin in ihrem Zweigwerk in Schöppenstedt produzierte, lange Zeit eine wichtige Rolle, insbesondere in der Möbelindustrie. Zunehmende Konkurrenz neuartiger, synthetisch hergestellter Leime erschwerte allerdings zunehmend das Geschäft. 1955 führte Goldschmidt mit Tego-Tex einen weiteren, sehr erfolgreichen Leimfilm spezielle für furnierte Möbeloberflächen ein. Anfang 1984 veräußerte die Th. Goldschmidt AG die Produktion von Leimfilm und Tego-Tex an Casco-Nobel.

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